Monday, 23 November 2009, 19:19 - Starcat

Auf der Suche nach meiner Berufung

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Seit Oktober lag mein Studium hinter mir und ich suchte nach einer Möglichkeit endlich einen Einstieg in die Berufswelt zu finden.
Zuerst erwies sich meine Suche als sehr ernüchternd. Die meisten meiner Studienkollegen empfanden eine ähnliche Frustration wie ich selbst. Manche haben vielleicht bereits die Hoffnung aufgegeben. Die meisten Firmen interessierten sich nicht einmal genug um auf meine E-Mail zu antworten, selbst wenn ich mich auf ein konkretes Gesuch bezog. Sie hatten offenbar die Zeit mir unpersönliche Nachrichten über XING zu schicken. Wenn es darum ging auf meine Bewerbung einzugehen, schienen die meisten jedoch eine Art elektronisches Schweigegelübte abgelegt zu haben.
Durch Glück kam ich dann aber doch noch persönlich mit einigen ins Gespräch. Ein paar dieser Unterhaltungen waren sehr freundlich und man fand gemeinsamen Boden und tauschte sich über das gemeinsame Interesse an Computerspielen aus und fachsimpelte über die Entwicklung von Spielen. Ich merkte, diese Leute waren Entwickler und hatten einen ähnlichen Werdegang hinter sich wie ich selbst. Sie verstanden was es hieß eine Idee in die Tat umzusetzen und sich selbst dabei zu übertreffen. Es war motivierend und machte Spaß mit ihnen zu sprechen. Gemeinsam schwelgten wir in Gedanken und Erinnerungen an eine glorreiche Zeit, die ich selbst nie aktiv miterlebt hatte, aber gut nachempfinden konnte. Für mich lebten diese Zeiten in dem Herzblut und der Leidenschaft die in die Entwicklung meiner Spielideen floss. Traurige Andeutungen verrieten mir aber bereits, die guten alten Zeiten in der Industrie waren vorbei und die Urgesteine und Wegbereiter wanderten immer weiter ab oder zogen sich zurück.
Es war eine andere Generation von Entwicklern, die mir zumindest mit freundlichen Floskeln und leeren Versprechungen begegnete, falls sie sich die Mühe machten zu antworten. Manchmal in Verbindung mit gut gemeinten Ratschlägen, darüber wie sich die Welt weiterbewegt hätte. In den letzten Jahren seien viele gute Bücher erschienen, die es sich lohnte zu lesen. Nennen konnten sie keine. Es ist die Mystik vage Aussagen zu treffen, die wahre Erhabenheit signalisiert.
Ich frage mich, ob es ein Kunstbuch gibt, was die letzten Zweitausend Jahre kreativen Schaffens der Menschheitsgeschichte überflüssig macht. Wenn ja, will ich es nicht lesen. Ich glaube nicht daran. Ich glaube daran, von den Meistern zu lernen und von dem was sie geschaffen haben. Sie haben Wegweisendes geleistet, es steht noch immer unangetastet da. Es sind diese Leistungen die zu großem Anspornen und dazu bewegen über sich selbst hinaus zu wachsen. Nicht es zu kopieren, sondern daraus zu lernen um etwas originelles zu schaffen und in ihre Fußstapfen zu folgen. Sich immer wieder selbst zu übertreffen und daran zu wachsen.
Leere Versprechen. Ich lächelte und nickte. Wenn ich einen Euro bekam für jedes mal, wo ich mir das anhören musste, bräuchte ich gar nicht mehr zu arbeiten. 😉
Ich bin 24 Jahre alt. Seit Zehn Jahren meines Lebens, gehe ich meiner Leidenschaft nach, Computer- und Videospiele zu entwickeln, zu schreiben, mich visuell zu verwirklichen und zu programmieren, damit meine Ideen Realität werden können.
Einmal wurde ich auf meine Projekte angesprochen und gefragt, was ich selbst denn daran gemacht hätte. Meine Antwort war kurz und bündig: “Alles. ” Und damit war das Gespräch für mein Gegenüber beendet. Man nahm meine Visitenkarte in die Hand und legte sie dezent zurück. Eine klare Geste.
Man sagte mir ins Gesicht, ich würde mit meiner Arbeit nie einen Job finden. Man sagte mir, ich hätte mir mit meinem Studium alle Chancen verbaut. Von dem Studium sei nichts zu halten, wurde mir gesagt, es sei ein offenes Geheimnis.
Nun und was war mit meiner eigenen Leistung? Ich hatte nicht untätig dagesessen. Ich hatte so viel meiner Jugend und Unmengen von Herzblut investiert um über mich selbst hinaus zu wachsen. Wenn Schulkameraden saufen gingen, saß ich zuhause und las Bücher, schrieb, feilte an Ideen, lernte zu programmieren oder verinnerlichte den Umgang mit Grafik Programmen. Ich hatte nichts vermisst, ich tat es gerne und es hatte wenigstens einen Sinn. Ich investierte diese Zeit in mich selbst und sah wie ich Fortschritte machte. Meine Leistungen schienen für diese Firmen nicht von Interesse zu sein. Ich passte nicht ins Schema und damit war die Sache gegessen für sie.
Nicht für mich.
In zwei Fällen sagte man mir, ich käme nicht in Frage, weil ich in meinen letzten Projekten neben Game Design und Programmierung auch die Grafik gemacht hätte.
Sorry, es tut mir ja Leid, aber mir hat niemand meine Bachelor Arbeit aus der Hand genommen! Ich hatte kein Team von hochbezahlten Grafikern oder Programmierern, die mir die Arbeit abgenommen hätten. Wenn ich etwas schaffen wollte, musste ich es zwangsläufig selbst machen. Das galt für alle meiner Projekte bisher. Wie sollte ich denn bitteschön Arbeitsproben anfertigen, wenn die Umsetzung einer Idee offenbar zu weit ging? Es ist nun mal ein kreativer und interdisziplinärer Bereich. Wie kann es ein Fehler sein, wenn man genau diese Fähigkeiten ausbaut?
Ich halte mehr von kreativen Ideen, von Talent und von einer guten Umsetzung, als mit vermeintlich wichtigen Wörtern um mich zu werfen, um andere zu beeindrucken. Die Menschen, die wissen was sie tun, lassen sich davon ohnehin nicht beeindrucken.
Für mich zählt nicht was ich sage, sondern was ich damit ausdrücken möchte. Wenn mein Gegenüber es nicht versteht, sage ich es anders, bis es verstanden wird.

Lag der Schlüssel zum Einstieg ins Berufsleben also in einer Spezialisierung? Wenn ja, eine Spezialisierung worauf? Etwas nach dem vermeintlich gerade gesucht wurde? Oder vielleicht doch besser etwas, an dem mein Herz hing?
Bald wurde mir gesagt, ich könnte mich nicht auf Game Design spezialisieren. Mein Begriff von Game Design gehöre nicht in die heutige Zeit. Er sei viel zu weit gefächert, vor Zehn Jahren vielleicht noch, aber heute… Nun was hat sich denn seitdem verändert? Es sind die gleichen Konzepte, nur in anderer grafischer Verpackung. Wieso sollte dann plötzlich nichts von dem mehr wahr sein, was ich mir über so lange Zeit erarbeitet hatte?
Schließlich begann ich mir eine sehr existenzielle Frage zu stellen:
Konnte der Bereich, den ich seit über Zehn Jahren auf leidenschaftlichste Weise anstrebte, für den ich viele Opfer gebracht hatte und in dem soviel Zeit und Herzblut steckte, vielleicht doch der Falsche sein? Konnte es sein, obwohl ich mir im Retro Bereich einen guten Namen machte und Spieler aus den verschiedensten Ländern sehnsüchtig nach meinen Projekten fragten und sich darauf freuten?

Im Studium galt ich als Querdenker, als Individualist, als jemand der vielleicht durch komische Ideen auffiel. Ideen die sich einfach von der Masse abhoben. Aufgrund meiner Erfahrung in der Atari Programmierung, sah man mich als altmodisch. Meine Programme liefen flüssig auf einem 26.6 MHz RISC Prozessor (bzw 13.3 MHz CPU). Die meiner Kollegen erforderten einen PC mit 2 GHz Dual Core Prozessor. Optimierung war etwas für Leute von gestern, willkommen im 21. Jahrhundert, Baby! Wieso ein Array mit Ganzzahligen Beschleunigungswerten nehmen, wenn es doch ein flexibler Vektor mit 64-Bit Kommazahlen sein konnte? Wieso? Weil es geht. Den Spieler kümmert es nicht, er bekommt es nicht einmal mit. Es zeigt sich nur in der Hardware Anforderung. Aber wenns geht, wieso nicht. Was will man erwarten, wenn Dozenten predigen 3D Spiele wären auf dem Nintendo DS nicht umsetzbar? Mein Atari Kollege Atariowl schafft es aus dem guten alten Jaguar (eine Konsole ohne 3D Hardware) eine 3D Grafik heraus zu kitzeln, die Wegweisend für das System ist. Aber nein, auf dem Nintendo DS (12 Jahre später) geht sowas nicht. Und nein, die ganzen aufwendigen 3D Spiele, die es bereits dafür gibt, sehen wir mal dezent nicht. Die Philosophie von heute ist offenbar: Wenn es für etwas kein fertiges Tool gibt, ist es nicht umsetzbar.
Meine Denkweise ist nicht altmodisch, es sind entscheidende Grundlagen um darauf aufzubauen und etwas besonderes zu schaffen. Wenn meine Kollegen kollektiv Spielideen über blutrünstige Zombies vertraten, auf die sie selbst schon das obligatorischen “Ohne Jugendfreigabe” Logo klebten, schuf ich stattdessen ein Konzept mit Zeichentrick Optik für Kinder. Ich frage, was ist falsch daran? Wenn ich die Chance habe etwas eigenes zu schreiben, sollte es auch etwas eigenes sein. Der Pfad zur Hölle ist gepflastert mit einfallslosen Zombie Shootern!
Ich halte mich nicht für altmodisch, ich mag schlicht und einfach kreative Ideen und ich möchte Spiele entwickeln die auf ihre Weise etwas besonderes bieten. Eine spannende Geschichte, vielschichtige Charaktere, eine besondere Spielidee. Irgendwas. Irgendwas eigenes.
Wie konnte ein Spiel Spaß machen, bei dem die Entwicklung schon keinen Spaß machte?

Meine Erlebnisse mit diversen Firmen wirkten erschreckend bürokratisch und konservativ, unter einem Deckmantel von Modernität aus kostspieligen 3D Grafiken. Rostige Konzepte, mit ein wenig Chrom versehen, damit sie hielten, bis der Käufer die Disc ins Laufwerk schob. Ich will keine Scheiße verkaufen an die ich nicht glauben kann! Sonst hätte ich auch Versicherungsvertreter werden können. Ich bin Teil einer kreativen Industrie um kreatives zu schaffen!
Aus diesem Gefühl der Ernüchterung heraus fragte ich mich, ob die moderne Spieleindustrie überhaupt etwas für mich war. Ob ich den Spaß an der Entwicklung verlieren würde, wenn ich diesen Weg auch professionell ging. Ich dachte darüber nach, was mich denn eigentlich überhaupt so daran begeisterte und meine Frage führte mich zurück an den Anfang meiner kreativen Tätigkeit. Sie führte mich zurück zum Schreiben.

Das Schreiben. 🙂 Ich hatte wenig vorzuweisen. Ein paar Kurzgeschichten, die nicht schlecht waren, auch wenn nicht jeder sie verstand. Aber wer sie verstand, reagierte meistens sehr positiv und es motivierte mich ungemein. Mir geht es nicht darum allen zu gefallen, das wäre gar nicht möglich. Mir geht es darum, über mich hinaus zu wachsen und meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden so gut ich kann. Wenn es den Leuten dann auch noch gefällt, umso besser.
Selbst wenn es nur einen Leser oder eine Leserin begeistert, was ich schreibe, ist es die Sache wert. 🙂
Wenn es auch nur einem Menschen zeigt, wieviel mehr diese Welt sein kann, als wir im Alltag vielleicht sehen, wenn es auch nur für einen Moment zum nachdenken oder träumen anregt oder einfach nur die Sorgen des Alltags eine Weile vertreibt, hat es sich gelohnt. Wenn sich eine Menschenseele mit dem identifiziert, was ich schreibe, ist es nicht vergebens. 😀

Und nun schreibe ich wieder regelmäßig. Insbesondere an meinem Eerievale Roman und Grafik Adventure Spiel, aber auch immer wieder darüber hinaus.
Lange Zeit habe ich mich ablenken lassen, doch nun bin ich wieder da. Die Eerievale Geschichte hat geduldig auf mich gewartet. Es wird Zeit sie endlich nieder zu schreiben.
So lange hat sie darauf gewartet erzählt zu werden. 😀
Ergänzung: Übrigens ist meine Suche nach einem Praktikumsplatz nun erfolgreich gewesen. Mehr dazu bald.



Sunday, 1 November 2009, 15:37 - Starcat

NaNoWriMo 2009

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Es hat begonnen. Der Monat November ist angebrochen und mit ihm beginnt der National Novel Writing Month. Eine jährliche Veranstaltung bei der sich Zehntausende Autoren zumindest virtuell zusammentun und gemeinsam im engem Zeitrahmen von bloß 30 Tagen jeder individuell einen Roman von mindestens 50.000 Worten zu schreiben.

Ziel ist es nicht zwangsläufig einen fertigen Roman in der Hand zu halten, obwohl der NaNoWriMo bereits in manchen Fällen einen guten Teil dazu beitrag, sondern vielmehr etwas aus dem einsamen Autorendaseins heraus zu treten, Gleichgesinnte zu finden und mit Ihnen gemeinsam die Freuden und Frustrationen des Schreibhandwerks zu teilen. 30 Tage in denen Zehntausende Menschen ähnliches erleben, mit ähnlicher Nervosität und Begeisterung ans Werk gehen, ähnliche Sorgen teilen und am Ende vielleicht ein ähnliches Gefühl der Genugtuung erlangen, indem sie endlich die Motivation gefunden haben einen lang gehegten Traum auf das Papier, oder die digitalen Weiten der Festplatte, zu bannen.

Es ist kein Wettbewerb im Sinne von Konkurrenzkampf, es ist ein Wettbewerb in dem man gegen seinen eigenen inneren Schweinehund antritt oder vielleicht gegen den Drang alles durchzuplanen oder den Drang jedes geschriebene Wort direkt zu überarbeiten. Dafür bleibt nach dem 30. November immer noch genug Zeit.

Man gewinnt keine Preise und man wird zu nichts gezwungen. Man gewinnt Motivation und eine Art Urkunde für den Fall, dass man es schafft. Doch ob man es schafft ist nebensächlich, denn hier ist es in der Tat der Weg, der das Ziel ist. Ein Weg den man Ausnahmsweise, dieses eine Mal im Jahr nicht ganz alleine geht, sondern in moralisch unterstützender Gesellschaft. Ein Weg den man jeden Tag ein wenig weiter geht. Vielleicht, wenn alles gut läuft, bis zur entscheidenden 50.000 Wort Marke.

Eine Weile überlegte ich, welche Romanidee ich denn überhaupt in die Tat umsetzen sollte. Meine Wahl fiel letztendlich aber doch auf meine Eerievale Idee, die mich schon so lange begleitet. Drückt mir ganz fest die Daumen. Und vergesst nicht, selbst wenn ihr zur Nicht-Lesenden Fraktion gehört (falls es so etwas gibt): Ein Spiel das auf einem Roman basiert, ist gleich ein ganzes Stück weiter sobald der Roman auf dem es basiert erst einmal steht. Das aber nur am Rande, für die, die der Sache sonst nichts abgewinnen können. 😉

Ich habe mich gestern bereits darauf eingestimmt, indem ich mir nochmal Stephen Kings – On Writing als Hörbuch angehört habe. Es motiviert und begeistert mich noch immer genauso wie beim ersten Lesen (der Deutschen Fassung als Taschenbuch).

Mich begeistert die Idee auf jeden Fall endlich wieder zu schreiben und habe dann ausgeruht heute Morgen direkt mein erstes Pensum niedergeschrieben. 🙂

Vielleicht werde ich in nächster Zeit noch öfter von meinem Fortschritt beim NaNoWriMo 2009 berichten. 🙂

Für die unter euch, die mein Vorrankommen besonders interessiert, ihr findet mein NaNo-Profil hier.